Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.03.10

Starthilfe für die “Silversurfer”
Mainzer Studenten erklären Menschen von 50 Jahren an, wie Computer funktionieren

mash. MAINZ.

Vor zwei Monaten haben Kristoffer Braun, 27 Jahre alt, und Andreas Dautermann, 29 Jahre, ihr Büro am Mainzer Hauptbahnhof bezogen. Auf zölf Quadratmetern stehen zwei kleine Schreibtische, ein altes Ledersofa, und ein Metallregal. Unter dem Namen Braundautermann haben sich die beiden vor kurzem zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammengeschlossen. Offiziell sei man damit zwar noch kein Unternehmen, erklärt Dautermann. “Aber auch andere Start-up-Unternehmen haben mal so angefangen.”

2009 hatten Braun und Dautermann die Idee, eine Internetseite mit Erklärvideos zu entwerfen. Während einer Autofahrt hätten sie festgestellt, dass Eltern, Verwandte und Bekannte immer die gleichen Schwierigkeiten im Umgang mit Computern haben. “Für unsere komplette Verwandtschaft waren wir eigentlich schon immer die Ansprechpartner, wenn es um Computer- oder Internetprobleme ging”, berichtet Braun. “Und das sind ja teilweise ganz einfache Sachen, gar nichts Kompliziertes.” Für Kinder existiere eine ganze Fülle an Internetseiten, die Computer und Internet erklärten. “Aber für die ältere Generation, die ja ohne Computer aufgewachsen ist, gibt es überhaupt nichts.” Genau diesen Zustand wollten die beiden Studenten ändern, als sie im Juli 2009 mit ihrer Seite www.starthilfe50.de an die Öffentlichkeit traten. Die Homepage richtet sich vor allem an die sogenannten Silversurfer, gemeint sind damit alle Internetnutzer in einem Alter von 50 Jahren an. “Die technischen Voraussetzungen wie Computer und Internetanschluss sind bei den Leuten ja häufig vorhanden”, sagt Dautermann. “Aber viele trauen sich einfach nicht, neue Dinge auszuprobieren, weil sie nicht wissen, wie es geht, oder Angst haben, etwas falsch zu machen.”

Das Konzept ist einfach. In verschiedenen Videos zeigen und erklären Dautermann und Braun den Besuchern die Welt der Computer langsam und verständlich, Schritt für Schritt. Was ist der Unterschied zwischen einem Links- und einem Rechtsklick? Wie erstelle ich meine eigene E-Mail-Adresse? Was ist ein Virenscanner und wozu ist er gut? Mittlerweile ist das Angebot auf 100 Videos angewachsen. Jeweils 50 Filme sind gleichzeitig online abrufbar, jede Woche werden drei Videos ausgetauscht. Bei der Gestaltung der Seite haben die beiden auf ausgefallene Designs und Werbung verzichtet. Die älteren Nutzer sollen nicht verwirrt werden. “Wir wollten keine Werbebanner, die blinken oder irgendwelche tollen Gewinne versprechen. Nutzer, die sich nicht auskennen, glauben sonst vielleicht, dass das zur Seite dazugehört.” Besonders wichtig sei auch die altersgerechte Ansprache, möglichst ohne englische Vokabeln und Fachausdrücke. “Eine heute 60 Jahre alte Frau aus Ostdeutschland hat in der Schule nie Englisch gelernt”, gibt Dautermann zu bedenken. Im Herbst wurden die beiden vom Bundeswirtschaftsministerium in Berlin beim Wettbewerb “Wege ins Netz 2009” für ihr Projekt mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Für Nutzer ohne Internetzugang und um ihr Projekt zu finanzieren, bieten die Studenten seit kurzem eine DVD-Ausgabe mit allen 100 Videos an. Knapp 20 Euro kosten die drei DVDs.

Im Dezember wurden 20 DVDs verkauft, im Januar waren es schon mehr als 50. Demnächst sollen die DVDs auch in Buchhandlungen angeboten werden. In Zukunft wird “Starthilfe50” zudem mit der Kinderseite www.internetabc.de kooperieren, die unter anderem vim Adolf-Grimme-Institut und der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen getragen wird. “Starthilfe50” soll dann vor allem Videos für die Eltern der jungen Zielgruppe bereitstellen.

 

Quelle:
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.03.2010